01.02.2021
Positionierung zum Windpark Sinzing

Als Fraktion der Freien Wähler nehmen wir das Anliegen der Bürger sehr ernst und freuen uns auf eine offene, sachbezogene Diskussion.

Bezugnehmend auf einen Brief an den Bürgermeister, worin sich Bürger bei der Neuauflage des Projektes „übergangen“ fühlten, wollen wir an dieser Stelle erwähnen, dass wir am 27.09.2020 unter dem Motto „Mit dem Fahrradl zum Windradl“ einen Bürgerstammtisch zum Thema veranstaltet haben. Mit diesem Bürgerstammtisch vor Ort wollten wird die Bürger über den aktuellen Stand und die anstehenden Pläne informieren. Leider haben wir wohl über die Einladung in der Zeitung (MZ), unserer Homepage (www.fw-sinzing.de), im Schaukasten des Pavillons in Viehhausen sowie unserer Facebookseite nicht alle Interessenten erreicht.

Auch auf das beigefügte Flugblatt und die erwähnten Auswirkungen wollen wir Bezug nehmen und unsere Sicht der Dinge darstellen. Natürlich stehen auch diese Ansichten zur Diskussion.
Unter anderem beziehen wir unsere Informationen – wenn nicht weiter gekennzeichnet – vom Umweltbundesamt (https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/windenergie#strom).

Auf das Thema des wunderschönen Landschaftsbildes wollen wir im Anschluss eingehen.

Permanente Beunruhigung, Windgeräusche und Schattenwurf:

Um den von den Windkrafträdern ausgehenden Licht- und Lärmemissionen einzugrenzen und zu reduzieren, wurde in den letzten Jahren viele Weiterentwicklungen vorgenommen. So haben gerade die höheren Windkrafträder an dieser Stelle einige Vorteile gegenüber der älteren und „kleineren“. Der Lärm wird überwiegend durch das Getriebe und Luftverwirbelungen erzeugt (Umwelt Bundesamt). Wenn das Getriebe hoch oben ist, nimmt die Lärmbelastung durch die Höhe ab. Weiter Vorteile sind der höhere Windertrag (0,5 bis 1 Prozent pro Meter Nabenhöhe) sowie die reduzierten Windturbulenzen (Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt ), wodurch weniger Geräusche entstehen.
Der Diskoeffekt (unterbrochene Lichtreflektion am drehenden Rotor) sind wiederum durch die Höhe und einer matten Beschichtung der Windenergieanlagen kein Problem mehr (Energieatlas Bayern).
Um den Schattenwurf der sich bewegenden Rotorblätter für einzelne Gebäude zu reduzieren, gibt es so genannte Schattenwurfmodule, die dafür sorgen, dass „die tatsächliche Beschattungsdauer auf 30 Minuten pro Tag und acht Stunden pro Kalenderjahr begrenzt“ ist (Energieatlas Bayern).

Tödliche Gefahr für Vögel

Die tödliche Gefahr für Vögel ist unumstritten. Zum Glück wird hierzu seit Jahren geforscht und nach Lösungen gesucht. Eine abschließende Bewertung zu gefährdeten Vogelarten muss von einem Fachmann durchgeführt und von den entsprechenden Stellen bewertet werden. Das aktuell eingeleitet Bauleitverfahren nach den §§ 1 bis 4 b, 6 und 10 des BauGB soll u.a. „die Belange des Umweltschutzes, einschließlich des Naturschutzes und der Landschaftspflege, insbesondere a) die Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen, Fläche, Boden, Wasser, Luft, Klima und das Wirkungsgefüge zwischen ihnen sowie die Landschaft und die biologische Vielfalt“  (BauBG §§1, Absatz 6, Punkt 7) berücksichtigen. Hier müssen wir uns auf die zuständigen Behörden verlassen und sind auf Experten angewiesen. Zudem sind im BauGB §§249 (Sonderregelungen zur Windenergie) die genauen Voraussetzungen an die Genehmigung einer Windkraftanlage aufgelistet.

Eisschlag im Winter

Die Gefahr ist laut Umweltbundesamt sehr gering, da der Einsatz von Rotorblattheizungen bzw. eine automatische Abschaltung bei Vereisung vorgeschrieben sind. Demnach ist die Verletzungsgefahr für Waldbesucher sehr stark minimiert.

Beeinflussung des Klimas vor Ort

In einem Bericht des Südwestdeutschen Rundfunks in der Sendung „Wissen“, wurde diese Frage u.a. diskutiert (SWR Wissen). Demnach, hat ein Windrad einen - zumindest kleinen - Einfluss auf das Mikroklima. Allerdings müssen laut des Berichts die Auswirkung auf den darunterliegenden Boden im Einzelnen betrachtet werden. Auch hier müssen die Fachstellen diese Beeinträchtigung bewerten.

Auch die Bodenerwärmung durch das verlegte Kabel muss durch sachgemäße Verlegung minimiert werden.

 

Wir begrüßen die Befürwortung alternativen Energien der meisten Mitbürger und wollen versuchen die noch offenen Fragen – so weit möglich – zu beantworten.

Warum sind die Dächer und Fassaden in unseren neuen Gewerbegebieten (Edeka/Norma und Viehhausen) nicht mit Photovoltaik bestückt?

Auch wir würden es begrüßen, wenn Fassaden und/ oder Dachflächen für Photovoltaikanlagen genutzt werden. Allerdings ist auch für Gewerbetreibende ein Neubau eine große Investition, die an der ein oder anderen Stelle Einsparungen benötigt.

Glücklicherweise können die Anlagen nachgerüstet werden. Oftmals sind Vorkehrungen dafür schon geschaffen, aber von außen nicht sichtbar.

Warum gibt es im Gemeindebereich Sinzing nicht schon längst in Bebauungsplänen die Auflage, dass Photovoltaikanlagen zu montieren sind? (Wie in anderen Gemeinden)

Um keine Benachteiligung von Privatpersonen und Gewerbetreibende bzgl. Standortwahl gegenüber den Nachbargemeinden zu erzeugen, begrüßen wir den geplanten Gesetzentwurf aus dem letzten Jahr, welcher die rechtlichen Grundlagen für so eine Auflage bildet (BR). Demnach sollen ab 2021 neue Gewerbebauten und ab 2022 neue Wohngebäude verpflichtend mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden. Viele offene Fragen wie z.B. die verpflichtende Größe der Anlage, wer überprüft die Einhaltung, etc. müssen noch geklärt werden.

Warum werden entlang der Autobahnen nicht viel mehr PV-Anlagen gebaut?

Hierfür kann es mehrere Gründe geben:

  1. Fehlende Infrastruktur: Der gewonnene Strom muss ins Stromnetz eingespeist werden, nicht überall ist der Zugang wirtschaftlich
  2. Verfügbarkeit von Grund und Boden ist nicht überall gegeben. Auch in anderen Regionen suchen Investoren nach Flächen, finden aber keine.
  3. Die angrenzenden Felder gehören in der Regel Privatpersonen. Diese müssen die hohen Investitionen tätigen, müssen dies wollen und können.
  4. Werden Freiflächen-Photovoltaikanlagen geplant/erstellt, gibt es auch hier Gegner (siehe PV-Anlage in Sinzing neben der Autobahn oder die aktuell geplante PV-Anlage entlang der Eisenbahnlinie)

 

Warum hat sich der Landkreis Cham schon vor Jahren die Satzung gegeben, keine Windräder zu bauen, um das Landschaftsbild zukünftig zu schützen?

Durch die Verordnung des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen vom 24. Oktober 1989 (GVBl S. 659) wurde der „Naturpark Oberer Bayerischer Wald“ ausgewiesen. Es gibt ein Zwei-Zonen-Konzept, welches Windräder in 10,8% der Fläche des Landschaftsschutzgebietes erlauben (Bayern.Recht).

Eine Satzung des Landkreises Cham ist uns nicht bekannt.

Warum hat der Landtag in Thüringen Mitte Dezember 2020 beschlossen, dass im Wald grundsätzlich keine Windanlagen gebaut werden dürfen?

Das Verbot in Thüringen ist für die nächsten drei Jahre gültig. Danach soll erneut überprüft werden, ob das Windenergie-Ziel auch ohne Waldflächen erreicht werden kann (Thüringer Allgemeine). D.h. die Windräder müssten im „Offenland“ näher an Wohnhäuser heranrücken, um die Klimaziele zu erfüllen. Wenn die Ziele nicht erreicht werden, wird der Wald wieder „freigegeben“.

Es ist also aktuell „nur“ ein temporäres Verbot.

Müssen wir unsere Landschaft für diese Anlagen opfern, die nachweislich in einem „Schwachwindgebiet“ stehen werden?

Hier können wir nun die Grundsatzdiskussion lostreten:
Warum bei uns und nicht woanders?

Bezüglich des Zielkonfliktes von Landschaftsbild und erneuerbaren Energien aus unserem Leitbild, haben wir uns auch Gedanken gemacht.

Über die nun seit 2012 laufenden Planungen hat sich die Anzahl der angedachten Windräder massiv reduziert. Eine umzingelnde Wirkung auf die Wohnbebauung wurde bereits ganz am Anfang der Planungen ausgeschlossen. Eine Verspargelung der Landschaft mit nunmehr nur noch 2 Windrädern ist nicht gegeben. Dass ein Windrad das Landschaftsbild verändert ist uns bewusst, die Auswirkungen haben sich aber aus unserer Sicht auf das Minimum reduziert und der positive Beitrag zur Energiewende ist unbestreitbar.

Und noch ein kurzer Hinweis zum Leitbild der Gemeinde: Immer wieder wird das Leitbild herangezogen, um auf den „Erhalt und die Pflege unseres Landschaftsbildes“ hinzuweisen. Wir bitten sie dann auch die Seite 42 („Wir verstärken deshalb unser Engagement für den Einsatz erneuerbarer Energien“) und Seite 43 („Errichtung von Windkraftanlagen auf dem Gemeindegebiet unter Mitwirkung der Bürger“) zu erwähnen (Gemeinde Sinzing).

Die beiden Windenergieanlagen sollen 21,5 Mio. kWh pro Jahr erzeugen. Der Flächenverbrauch für eine adäquate Stromerzeugung mit Photovoltaikanlagen wäre immens.

Der Energiemonitor für die Gemeinde Sinzing zeigt auch ein wesentliches Problem der Stromerzeugung rein aus Photovoltaik-Anlage: Besonders in den Wintermonaten benötigen wir Alternativen zur Photovoltaik (Energiemonitor Bayernwerk Sinzing).

Deshalb setzen wir auf einen regionalen Energiemix aus verschiedenen erneuerbaren Energien!

Über Jahre hinweg haben wir das Für und Wider sorgfältig abgewogen. Den befriedenden Kompromiss mit nur 2 Windrädern begrüßen wir ausdrücklich. Wir sehen auch unsere gesamtgesellschaftliche Verantwortung, denn, sollten wir die Energiewende nicht schaffen, sind wir in Zukunft auf Atomstrom aus Tschechien und Frankreich, bzw. Kohlestrom aus Ostdeutschland angewiesen. Diese „Monster“ sind noch erschreckender