Aktuelles
Die Gemeinde Sinzing lud am 16.07.2020 um 19 Uhr zu einer Bürgerversammlung zur geplanten Freiflächenphotovoltaik-Anlage "Am Kreuzacker" in die 3-fach Turnhalle. Auf Grund der aktuellen Corona-Situation konnten nur 100 Plätze bereitgestellt werden, welche auf Grund des hohen Interesse innerhalb weniger Tage vergeben waren. Wie groß auch das überregionale Interesse an diesem Thema ist, zeigte der Beitrag "Golfer oder Solarpark: Was passt besser in die Donaulandschaft?" im Magazin "quer" vom Bayerischen Rundfunk, dass am selben Abend ausgestrahlt wurde.
Den Gemeinderäten ist das Projekt bereits aus der Gemeinderatssitzung vom Mai bestens bekannt, in dem nach einem Besichtigungstermin die gesamte Freie Wähler Fraktion dem Antrag auf die Einleitung eines Bauleitplanverfahrens in jener Sitzung zugestimmt hat. Eine dezentrale Energieversorgung ist für die Freien Wähler ein notwendiger Beitrag zur Energiewende.
Nachdem Bürgermeister Patrick Grossmann die Versammlung eröffnete, stellte der Vorhabensträger Johannes Espach sein Projekt rund um die Photovoltaikanlage vor. Die Anlage soll zwischen Sinzing und dem Ortsteil Minoritenhof entlang der Bahnstrecke nach Ingolstadt entstehen. Die bisherigen Äcker sollen neben den Photovoltaikmodulen verschiedene Naturräume wie z.B. eine Streuobstwiese und eine Blumenwiese für Bienen beherbergen und sollen somit zur Artenvielfalt beitragen. Aktuell werden zwei Varianten diskutiert: eine Fläche von ca. 2ha mit einer Gesamtleistung der Anlage von 1,7MWp; eine Fläche von ca. 5ha mit einer Gesamtleistung von 3,2MWp, wobei hier 3,3ha zur Eingrünung abfallen würden. Die 3,2MWp Anlage entspricht - wenn man den Mittelwert (6,28kWp) der PV-Anlagen in Sinzing bis 10kW (üblich für Privathäuser) als Anhaltspunkt nimmt - in etwa 510 PV-Anlagen, die heute zusätzlich auf Dächern in der Gemeinde Sinzing errichtet werden müssten.
Nach Abschluss der Projektvorstellung bekamen die Bürger das Wort und brachten in den Wortmeldungen gute Beiträge wie z.B. den Hinweis, dass sich das Gebiet in einem Trinkwasserschutzgebiet befindet und deshalb keine Beweidung zugelassen sind. Vor allem aber die Gegner rund um die Bürgerinitiative "Rettet das Sinzinger Donautal" traten mit vielen Wortmeldungen ans Mikrofon. Die Argumente reichten von der „Verschandelung des Donautals“, bis hin zur Verleugnung des Klimawandels.
Doch es befanden sich auch überraschend viele Befürworter der Anlage unter den Anwesenden. So z.B. Professor Sterner von der Ostbayrischen Technischen Hochschule - der auch unter anderem die Bundesregierung in energiewirtschaftlichen Fragen berät und bereits Anfang des Jahres zu Besuch in Sinzing war und einen Vortrag zu Klimaschutz und Energiewende hielt. Sein Redebeitrag wurde leider durch diverse Zwischenrufe gestört. Auch Marc Auffenberg - vom Arbeitskreis Rohstoff und Energie der Gemeinde Sinzing - sprach sich für die Photovoltaikanlage aus. Ein privater Anlagenbetreiber aus Niederbayern machte deutlich wie gut eine Anlage für die Gemeinde ist und beschwerte sich über den Umgang mit Johannes Espach: "Ihr redet immer von Investor, des is doch oana vo eich und koa Investor, der will as Beste für die Sache!!!!! Der läuft ned dafu.". Besonders eindringlich waren die Wortmeldungen junger Gemeindebürger, die unsere Verantwortung gegenüber nachkommenden Generationen aufzeigten und auf die Notwendigkeit von erneuerbaren Energien in Sinzing hinwiesen.
Unterm Strich war die Bürgerversammlung eine sehr gute Veranstaltung mit einem deutlichen Ergebnis pro Freiflächenphotovoltaik. Das zeigte auch das Abstimmungsboard, welches von der Gemeinde aufgestellt wurde. Jeder Teilnehmer der Bürgerversammlung hatte einen roten Punkt auf seinem Platz, welchen er je nach Meinung pro oder contra Freiflächenphotovoltaik platzieren konnte. Am Ende war es relativ deutlich zu sehen, dass sich über 70% für eine Freiflächenphotovoltaikanlage sind - 69% (61Personen) davon stimmen sogar für eine 5ha große Freiflächenphotovoltaikanlage. Nicht einmal 30% (26 Personen) sind generell gegen die Anlage am Kreuzacker. (Nachweis in der Bildstrecke)
Vielen Dank an die engagierten Bürger und Experten der Gemeinde sowie den Experten aus dem Umkreis.